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ie Studierenden der eFS23 besuchten den Fachtag Kulturkita. Zusammen mit Fachkräften aus Dortmunder Kitas setzten sie sich bei einem Vortrag von Aladin El-Mafaalani sowie in praxisnahen Workshops mit den Herausforderungen der heutigen Gesellschaft auseinander und wie diesen in der Kita begegnet werden kann. 

KULTURKITA 05

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani, der zurzeit zu den gefragtesten Experten für Migration und Bildung gehört, zeigte zunächst anhand verschiedener Langzeitstudien, dass die Investitionen in frühkindliche Bildung am wirksamsten sind für den Bildungserfolg. 

Gleichzeitig wies er darauf hin, dass wir in einer alternden Gesellschaft leben. Zum Beispiel gebe es in Deutschland mehr ADAC-Mitglieder als Eltern von Kindern unter 18 Jahren.

Entsprechend sei der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz und ab 2026 auch auf einen OGS-Platz weniger den Interessen der Kinder geschuldet als ein Rentensicherungsprogramm. Denn nur wenn Kinder betreut werden, können Eltern arbeiten gehen und in die Rentenkasse einzahlen.

Was es jetzt brauche, nach dem massiven Ausbau der Kita- und OGS Plätze, sei eine Qualitätsoffensive.

Diese Qualität ist nötig, auch wegen der besonderen Herausforderungen mit denen Erzieher:innen konfrontiert sind. Denn in Städten wie Dortmund kommen Kinder aus vielen verschiedenen kulturellen und sozialen Hintergründen und sind zusätzlich oft von Armut betroffen. Dieser superdiversen Gruppe gerecht zu werden, stellt eine hohe Herausforderung dar.

Wie wichtig das ist, macht El-Mafaalani deutlich. Kinder, die in Armut aufwachsen, lernen oft, vorsichtig und risikoscheu zu sein. Kinder aus wohlhabenderen Familien können hingegen Risiken eingehen und Alternativen erkunden. 

Eine prekäre Lebenssituation mache „die Kinder zu den Insolvenzverwaltern ihres Alltags“. Sie lernen von klein auf, kurzfristig und funktional und möglichst ohne Risiko zu handeln. Das spiegele sich auch im späteren Leben wider, wenn es um die Wahl des Berufs- und Karriereweges gehe. Das arme Kind wird den Karriereschritt bei gleichen Voraussetzungen eher nicht gehen, während das Kind aus wohlhabenden Verhältnissen darauf vertraut, es schaffen zu können. 

Damit beide Kinder, das arme und das wohlhabende, gleiche Bildungschancen bekommen, müssen sie bereits in der Kita ein positives Selbstbild entwickeln, das gekennzeichnet ist von den Überzeugungen „Ich kann das!“ und „Ich schaffe das!“.

Hier knüpft El-Mafaalani an das Thema des Fachtages an: Qualitative frühkindliche kulturelle Bildung. Sie ermöglicht Kindern, sich in anderen Rollen zu erleben und auszuprobieren, sich als selbstwirksamer Teil einer (Kita-) Gruppe zu erleben, die gemeinsam etwas Neues erschafft und ins Unbekannte vordringt.  

Gerade die musisch-ästhetische Bildung sei hierzu besonders gut geeignet. 

Kreatives künstlerisches Tun, Theater oder auch das Erfinden von Geschichten eröffnet Freiräume und erlaubt vielfältige Vorgehensweisen jenseits der Kategorien richtig und falsch. Kinder können hierbei echte Aha-Erlebnisse haben, wenn sie die Grenzen des bis dahin für sie Vorstellbaren überschreiten. 

Wie dies praktisch umgesetzt werden kann, erprobten die Studierenden der eFS23 im Anschluss an den packenden Vortrag in verschiedenen Workshops. Sie reichten von einem Literaturworkshop bis hin zu theater- und musikpädagogischen Angeboten. Außerdem konnten die Kinderkunstkisten ausprobiert werden. Diese sind mit Impulsmaterialien, didaktischen Ideen und Verbrauchsmaterialien ausgestattet und können von den Kulturkitas für Projekte im Kulturbüro der Stadt Dortmund ausgeliehen werden und finden auch im Unterricht am GVRBK Berücksichtigung.

Durch den theoretischen Input von El-Mafaalani, die praktischen Workshops sowie die Arbeit in gemischten Gruppen aus Studierenden, erfahrenen Fachkräften und Lehrkräften bzw.  Referent:innen ergab sich ein intensiver Austausch, der herausforderte, sich mit seiner eigenen professionellen Haltung auseinanderzusetzen. 

Außerdem konnten die Studierenden viele praktische Ideen mitnehmen für das anstehende Praktikum.

Der Fachtag Kulturkita wurde zum zweiten Mal von der Steuergruppe des Netzwerkes Kulturkita Dortmund veranstaltet (www.kulturkita-dortmund.de).  Die Steuergruppe des Netzwerkes setzt sich, unter der Federführung des Kulturbüros der Stadt Dortmund, aus Vertreter:innen der Dortmunder Kita-Träger und des Gisbert-von-Romberg-Berufskollegs zusammen.